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Die Geschichte und Entwicklung des Fallschirmsport im Überblick

Der Fallschirm ist die älteste Form eines Fluggerätes überhaupt. Seine Geschichte geht generell mit der Historie des Fliegens einher. In Ermangelung der Möglichkeiten, den Erdboden unter sich zu lassen, konnten die Menschen anfangs nur in die Luft gelangen, indem sie sich von festen Objekten herabstürzten. Was wiederum nur zu überleben war, wenn das Ende eines solchen Sturzes abgebremst wurde.

Nachfolgend mal ein kurzer Streifzug in die Geschichte des Fallschirmsports:

2000 Jahre vor
Chr.
China Tatsächlich waren Konstruktionen, die aus Gestellen gefertigt waren in denen Holz und Stroh Verwendung fanden, die ersten Mittel mit denen sich Wagemutige von Türmen oder Felsen stürzten und überleben konnten, wie es bereits aus der Zeit von 2.000 Jahren vor Christus aus China überliefert ist. Nachweise dafür gibt es jedoch nicht.
1495 Leonardo 
da Vinci

Als eigentlicher Erfinder des Fallschirmes gilt deshalb übereinstimmend der Techniker und Maler Leonardo da Vinci. Im Werk "Saggio delle opere di Leonardo da Vinci" befindet sich die Abbildung und Beschreibung seines Fallschirmes. Die Erfindung stammt aus dem Jahr 1495. Er schrieb: "Wenn sich ein Mensch mit einer Kuppel aus Stoff ausrüstet, die auf einen Rahmen gespannt ist, von dem jede Seite 12 Ellen Länge hätte und die ebenfalls 12 Ellen Höhe hätte, könnte er ohne Gefahr von jeder Höhe herunterspringen". Aber er selbst sprang nicht und es traute sich wohl auch sonst niemand, denn es vergeht über ein Jahrhundert, ehe wir auf das nächste Fallschirmprojekt stossen, das aber dann auch zugleich vom Erfinder auf seine Verwendbarkeit hin erprobt wird und diese Probe voll besteht.
1617 Fausto 
Veranzio
Fausto Veranzio, ungarischer Abstammung war in Venedig geboren und verbrachte auch den grössten Teil seines Lebens dort. Im Jahr 1617 veröffentlichte er eine Arbeit in der sich sowohl eine Abbildung seines fliegenden Menschen ("Homovolons") als auch eine Beschreibung des Fallschirmes befindet. Veranzio stellte damals schon fest, dass der Fallschirm erst nach einer gewissen Zeit soviel Luft unter sich verdichtet, dass der Mensch mit einer gefahrlosen Geschwindigkeit zum Erdboden gelangt und dass mit zunehmenden Gewicht des fallenden Körpers sich auch die tragende Fläche des Fallschirmes im Verhältnis vergrößern muss. Aufgrund seiner Schilderungen wird angenommen, dass er 1617 von einem Glockenturm in Venedig mit seinem Fallschirm abgesprungen ist. Obwohl dieser Sprung glücklich verlief, verging wieder über ein Jahrhundert.
1785 Joseph 
Montgolfier
Die Idee des Fallschirmes wurde von den Franzosen Joseph Montgolfier (der später den Heissluftballon erfand) und Sebastian Lenormand wieder aufgegriffen. Nicht ganz uneigennützig arbeiteten sie neben der Entwicklung des Heißluftballons an der Konstruktion von Fallschirmen, die sie als Rettungsgeräte benutzten. Montgolfier stürzte sich 1777 vom Dach seines Hauses in Annonay – gestützt auf seine Berechnungen über den Widerstand der Luft und durch kleinere Vorversuche - von der Richtigkeit seines Vorhabens überzeugt und das Experiment glückte. Allerdings waren seine Frau und Eltern darüber so entsetzt, dass er schwören musste, es nicht zu wiederholen. Nach zwei Jahren nahm er die Versuche wieder auf – diesmal jedoch mit Tieren, z.B. mit einem Hammel, den er vom Turm des Papstpalastes in Avignon (35 m hoch) mehrfach erfolgreich "absetzte".
1783 Sebastian 
Lonormand
Im Jahr 1783 experimentierte der Physiker Sebastian Lenormand in Montpellier mit Fallschirmen von dem uns eine genaue Beschreibung erhalten ist. Ein 2 m hoher Leinwandkegel mit 4,5 m Durchmesser bildete die Kappe. Um den Stoff luftdicht zu machen beklebte Lenormand ihn von innen mit Gummi. 32 Schnüre hielten einen Rahmen aus Weidenholz, in dem der Erfinder dann selbst beim Absprung vom Observatorium in Montpellier saß.
1785 Joseph 
Montgolfier
Erfindung des Heißluftballons durch Montgolfier. Mit der Erfindung des Heißluftballons trat die Entwicklung des Fallschirmes in ein neues Stadium. Nicht mehr Häuser, Bäume oder Türme dienten als Absprungmöglichkeit, sondern Ballone in weitaus größeren Höhen.
1785
Jean-Pierre 
Blanchard
Der Franzose Jean-Pierre Blanchard beginnt die Reihe dieser Männer. Er verbaut seinen Gasballon mit einem 7 m im Durchmesser betragenden Fallschirm, der ihn im Notfall gefahrlos zur Erde bringen sollte. Der Schirm hatte in der Mitte einen Stiel, der bis in die Gondel reichte. Um seine Aufstiege attraktiver zu machen, ließ er zunächst Tiere an kleinen Fallschirmen hinunter, so z.B. auch am 3.Oktober 1785 in Frankfurt einen Hund. Kurze Zeit später, am 21.November 1785 erwies sich sein Fallschirm als wirkliches Rettungsmittel. Offenbar war in seinem Ballon ein Überdruck entstanden, er zerstach die Hülle und rettete sich mit seinem Fallschirm. Die erste Fallschirmrettung aus Luftnot.
1797 Gebrüder 
Garnerin
Eine bedeutende, wenn nicht sogar die bedeutendste Rolle in der Geschichte des Fallschirmes spielen die Gebrüder Garnerin. Insbesondere der jüngere Aleć Jacques. Er verwandte viel Kraft und Geschicklichkeit an die Konstruktionen eines Fallschirmes, mit dem er einen Absprung vom Ballon aus 1000 m Höhe auszuführen gedachte. Nach der missglückten Probe im Juni (Riss in der Ballonhülle am Boden), einer Anklage wegen Betruges und fieberhafter Tätigkeit wegen der nahenden Gerichtsverhandlung, stieg er endlich am historischen 22.Oktober 1797 um 17.28 Uhr nachmittags im Park von Monceon (Paris) auf. Sein Fallschirm hatte keine starre Basis, der die Entfaltung vor dem Gebrauch sicherte, wie es für Sprünge von Häusern, Türmen usw. notwendig ist, sondern die Kappe hing schlaff unter seinem Ballon. In 700 m Höhe kappte Garnerin die Verbindung zum Ballon (der unmittelbar darauf zerplatzte, da er zu sehr gefüllt war) und fiel in rasender Geschwindigkeit zur Erde. Die zahlreichen Zuschauer stießen bereits gellende Schreckensrufe aus, aber die Kappe entfaltete sich und die Geschwindigkeit nahm zusehends ab. Da in der Mitte der Kappe (Scheitel) noch keine Öffnung war, suchte sich die verdichtete Luft am Rande einen Ausweg. So pendelte Garnerin in seiner Gondel (Gurtzeuge gab es damals noch nicht!) hin und her, landete jedoch heil auf der Erde und wurde im Triumph in die Stadt gebracht. Der erste Fallschirmabsprung in der Geschichte war vollbracht. Heute kündet davon noch ein verrostetes Schild " Aleć Garnerin" in Paris.
19. Jhd. Jean Batiste 
Olivier
 
Auf Anregung des Astronomen Lalande brachte Garnerin fünf Jahre später eine Scheitelöffnung am Fallschirm an. Die gefährlichen Pendlungen, die manchmal fast 90° betrugen, hörten auf. Jacques Binder, Jean Batiste Olivier reduzierten das Gewicht des Fallschirms von 120 auf 12 kg und brachen es dabei sogar fertig den Durchmesser von 9 auf 12 m zu vergrößern. Der Bann war gebrochen, Fallschirmspringen zur Befriedigung der menschlichen Schaulust und Sensationsgier (ein starker Hauch davon haftet ihm heute noch an) verbreitete sich über Europa. Man führte Schausprünge auf Volksfesten durch, aber schon damals – wie heute – war es nötig das Programm immer mehr auf die Spitze zu treiben, um die Leute ununterbrochen in Atem zu halten. Stets neue Schauer jagte man ihnen den Rücken hinunter, durch Sprünge ins Feuer oder vom brennenden Ballon. Trapezkünstler führten während des Sinkens akrobatische Stücke auf einer Stange durch, die anstelle eines Gurtzeuges da war. Jetzt fingen auch die ersten Frauen an zu springen. 
Die Nichte Garnerins, die schöne Elisa, sprang an die vierzig mal unter den originellsten Bedingungen und aus den verschiedensten Höhen. Nach den sehr viel versprechenden Anfängen erscheint uns das 19.Jahrhundert ziemlich unheilvoll in der Geschichte des Fallschirms und zwar aufgrund von tragischen Versuchen mit Geräten verschiedenster Art, die wohl recht originell waren, aber auf keiner wissenschaftlichen Basis erfunden wurden. 
 
1837 Robert Cocking Im 19. Jhd. fand dieser "Sport" immer mehr Nachahmer, wobei durch die Unwissenheit der Konstrukteure viele Unfälle auch tödlicher Art zu verzeichnen sind. 
So konstruierte z.B.1837 der Engländer Cocking – der Garnerin gesehen hatte – einen Schirm, der wie ein vom Sturm umgeklappter Regenschirm aussah, der Scheitel war also unten. Er glaubte damit eine wesentliche Verbesserung zu erreichen und schlug alle wohlgemeinten Warnungen in den Wind. Am 27.Juli 1837 sprang er aus 2000 m Höhe und dieser Schirm tat etwas für uns heute selbstverständliches – er schloss sich durch den Luftdruck völlig – Cocking stürzte zu Tode. Weitere tödliche Unfälle schockierten die Zuschauer. Aber die Entwicklung des Fallschirmes ging weiter.
1887 Tom Baldwin Der Amerikaner erfand eine Art Gurtzeug, mit dem Springer und Fallschrim direkt verbunden werden konnten. Bislang hingen die Fallschirme mit einer Gondel zusammen, was jede Fallschirmkonstruktion zu einer schwerfälligen Angelegenheit machte.
um
1890
Käthe
Paulus
Als bedeutendste Frau in der Geschichte des Fallschirmes kann wohl die Deutsche Käthe Paulus, die um 1890 ihren ersten Fallschirmabsprung machte, gelten. Sie war die erste, die auf die umwälzende Idee kam, den Schirm zusammenzupacken. Sie faltete die Bahnen sorgfältig, zog sie in eine schlauchartige Packhülle ein und rollte das ganze zusammen, diese Rolle wurde durch einen Gummiring gehalten. Die Fangleinen legte sie bündelweise und durch Papierzwischenlagen vor dem Verwirren geschützt, in Schlaufen ein. Durch ein Sollbruchband wurde beim Absprung der Verpackungssack aufgerissen und der Schirm freigegeben - so konnte er sich entfalten. Der Käthe Paulus Fallschirm" war der erste brauchbare Rettungsschirm für Absprünge aus antriebslosen Luftfahrzeugen und rettete während des ersten Weltkrieges vielen Ballonbeobachtern das Leben. Fräulein Paulus stellte nahezu 7.000 Fallschirme samt Verpackung in einer eignen Fabrik in Berlin her. Käthe Paulus beherrschte schon um die Jahrhundertwende die Technik des doppelten Absprunges. Sie sprang aus ca. 1200 m von einem Ballon ab, öffnete den ersten Schirm, warf ihn  ab und öffnete kurz darauf den zweiten Schirm. Ein Leckerbissen für die Zuschauer.
1911 
Grant  Morten

Albert Berry

Die Amerikaner Grant Morten und Albert Berry waren die ersten Menschen, die mit einem Seiden-Fallschirm  aus einem Flugzeug sprangen. Bei Albert Berry befand sich der Fallschirm in einem Metallkasten unter der Tragfläche. Gleichzeitig wurde fieberhaft an einem Gurtzeug gearbeitet bei dem dem der Öffnungsvorgang manuell eingeleitet wurde. Weil sich nicht immer ein Pilot finden ließ, der einen Fallschrimspringer absetzen wollte, flogen die Wagemutigen selbst, das Flugzeug stürzte nach dem Ausstieg des Springers ab. Diese sehr unwirtschaftliche Art wurde des öfteren angewandt.
1913 / 1914 Otto Heinecke
Dem deutschen Konstrukteur Heinecke gelang es ein letztes Hauptproblem zu lösen. Bei Rettungsabsprüngen aus Flugzeugen war die Gefahr sehr groß, dass sich die Kappe am Flugzeug verfing, da die Fallschirmverpackung direkt am Flugzeug befestigt war. Durch den Absprung wurde die Kappe aus der Hülle gezogen und der Fallschirm öffnete sich sofort, was zur folge hatte, dass sich die Kappen in den Rotorblättern des Motors verfingen.
Es kam also darauf an, eine Konstruktion zu finden, die es ermöglichte mit dem verpackten Fallschirm zunächst das Luftfahrzeug zu verlassen und die Öffnung des Schirms erst dann zu verursachen, wenn dieser sich außerhalb der Flugzeugs befand. Heinecke glückte es auf überraschend einfache Weise. Seine Verpackung wurde nicht am Flugzeug, sondern am Körper des Fallschirmspringers befestigt. Eine einfache Leine – heute Aufziehleine genannt – zog nach genügend langem Fall den Fallschirm aus der Verpackung und er konnte sich dann gefahrlos öffnen. Da im Gegensatz zu den Rettungs-absprüngen aus Fesselballonen, bei einem Absprung aus einem Flugzeug bereits ein relativ große Geschwindigkeit vorhanden ist, konstruierte Heinecke auch ein spezielles Gurtzeug, das jedes Einschnüren des Körper ausschloss. Das Prinzip des Heinecke-Fallschirmes wird heute noch angewandt
1914 Leslie L.
Irvin
Im Jahr 1914 setzte der Amerikaner Leslie L. Irvin einen weiteren bedeutenden "Meilenstein" in der Fallschirmgeschichte. Am 28.April sprang er in Mc. Cook Field/Ohio aus etwa 500 m Höhe aus einem Doppeldecker und ließ sich frei durch die Luft fallen ohne noch – mit dem Flugzeug verbunden zu sein. Erst kurz darauf öffnete er selbst seinen Fallschirm. Der erste Freifallsprung mit manueller Auslösung des Öffnungsvorganges in der Geschichte war geschehen, ein ungeheures Wagnis, das wir heute kaum noch richtig einschätzen können und zu dem ein enormer Mut nötig war. Man war damals allgemein der Ansicht "ein Mensch im Freien Fall müsse unweigerlich das Bewusstsein verlieren". Irvin bewies das Gegenteil. Der Siegeszug des Fallschirmes als Rettungsgerät in Flugzeugen begann damit.  Charles Lindbergh verdankte ihm viermal sein Leben. 
1930 Richard
Kohnke
Richard Kohnke, der Vater des deutschen Fallschirmsportes sprang 1930 aus 7800 m Höhe ab und absolvierte einen Freifall von 142 Sekunden Dauer. Er stellte schon damals fest, dass die Fallrichtung durch das Einnehmen verschiedener Körperhaltungen beeinflusst werden kann.
1931 Walter Boettcher Der Reporter führte den ersten bekannten Fotosprung durch. Er fotografierte sich nachdem er seinen Fallschirm manuell geöffnet hatte, mit einer in der Hand gehaltenen Kamera selbst.
Der Sportgedanke kam auf. Die ersten Fallschirmsportspringer wetteiferten bereits in den zwanziger Jahren um eine möglichst gute Ziellandung. Durch den zweiten Weltkrieg unterbrochen ging diese Entwicklung Ende der vierziger Jahre beschleunigt weiter. Überall in Europa und Amerika bildeten sich die ersten Fallschirmclubs. Man stellte die ersten Regeln auf und veranstaltete Wettbewerbe. 


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