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Die Schulung
Es gibt zwei Arten von Schulungen, die Automaten- und die AFF-Schulung.
Automaten-Ausbildung bzw.Konventionelle Sprungausbildung
Sie gliedert sich in zwei große Abschnitte, die "Automatik"-
und die Freifallausbildung. Während der Automatikschulung werden die Sprünge aus
Höhen zwischen 800 bis 1500 Metern durchgeführt. Der Springer ist dabei mit
seinem Fallschirm durch eine Aufziehleine mit dem Flugzeug verbunden. Beim
Verlassen des Flugzeuges streckt sich die Leine und zieht den Fallschirm aus
seiner Verpackung. Der Öffnungsvorgang des Schirmes ist damit eingeleitet. Die
Verbindung zwischen Springer und Flugzeug wird getrennt, sobald sich der
Fallschirm mit Luft zu füllen beginnt. Der Springer hängt dann sofort an der
geöffneten Fallschirmkappe.
Bevor der Springer ohne Aufziehleine springen darf und die Öffnung seines
Schirmes selbst per Hand auslöst, sind mindestens sechs automatische Sprünge
erfolgreich zu absolvieren. Wurde dabei das eigenständige Ziehen des
Aufziehgriffes demonstriert, kann er mit der Freifallausbildung fortsetzen. Beim
ersten Sprung fällt der Springer eine bis drei Sekunden frei, bevor er
selbständig den Fallschirm öffnet. Mit zunehmender Sicherheit und Erfahrung wird
die Absprunghöhe bis auf 4000 Meter gesteigert, die Freifallzeit auf bis zu 60
Sekunden erhöht. Während der einzelnen Ausbildungssprünge lernt der Springer
verschiedene kontrollierte Bewegungen wie Drehungen, Rollen oder Salti im freien
Fall sicher durchzuführen. Die zur Erreichung dieses Ziels erforderliche Anzahl
von Sprüngen ist individuell sehr unterschiedlich. Bis der Schüler die
Prüfungsreife erlangt, sind mindestens 20 Sprünge mit manueller Auslösung
notwendig.
AFF (Accelerated Freefall)
Der englische Name dieser Ausbildungsmethode
bedeutet soviel wie "beschleunigte Freifallausbildung". Sie ist die zur Zeit
effektivste Methode, im Fallschirmsport auszubilden. Das angestrebte Ziel der
Ausbildung, der kontrollierte und lange, freie Fall, wird dabei nicht ans Ende
des Lernprozesses, sondern gleich an den Anfang gestellt. Absprünge mit
automatischer Auslösung oder kurzen Freifallzeiten entfallen. Zum Beginn der
praktischen Ausbildung steht der theoretische Unterricht.
7 aufeinander abgestimmte Leistungsstufen (Level) bestimmen die Gliederung der
AFF-Ausbildung, die im Idealfall in 7 Sprüngen absolviert werden kann. Dabei
baut jeder Level inhaltlich auf dem vorhergehenden auf. Bevor der Schüler mit
dem Level 1 beginnt, wird ein so genanntes Level 0 vorgeschaltet. Das Level 0
ist ein Tandemsprung, bei dem der Schüler ersten Kontakt mit dem Freifall
bekommt und auch gleich die Übungen des Level 1 Sprunges durchführt.
Beim ersten Sprung (Level 1) halten
zwei AFF-Lehrer den Schüler vom Verlassen des Flugzeuges bis zur Fallschirmöffnung
fest. Der Schüler soll sich damit, zum einen an den freien Fall gewöhnen, zum
anderen geht es hier aber bereits um die Durchführung eines Lernprogramms innerhalb
der etwa 40 bis 50 Sekunden dauernden Freifallphase. Richtige Körperhaltung,
ständige Kontrolle der eigenen Höhe, Blickkontakt zu den Lehrern, Scheingriffübungen
und das Öffnen des Fallschirmes in 1500 Metern Höhe auf Zeichen der Lehrer sind
die Aufgaben dieses ersten Sprunges.
Das "Lernprogramm" steigert sich mit dem Fortschritt der Ausbildung:
Bereits beim dritten Level lassen die Lehrer ihren Schüler völlig los, befinden
sich allerdings in unmittelbarer Nähe neben ihm, um jederzeit helfend eingreifen
zu können. Wird das Ausbildungsziel in einem der Level nicht erreicht, muss
er wiederholt werden.

Schon mit Erreichen des vierten Levels erlaubt es der erreichte Leistungstand
des Schülers, dass nur noch ein Lehrer mitspringt. Nach dem gemeinsamen Absprung,
bei dem der Schüler zunächst noch vom Lehrer festgehalten wird, gibt dieser
ihn frei, damit das Programm mit kontrollierten Übungen beginnen kann.
Beim letzten Level zeigt der Schüler, in einem Sprung zusammengefasst, schließlich
seine erlernten Fähigkeiten. Ist er erfolgreich, hat er das Ziel, selbständig
frei zu fallen und allein weiterspringen zu können, erreicht. Ist der Ausbildungsfortschritt
groß, kann der Schüler nach nur 7 Sprüngen ganz allein und ohne Lehrer den freien
Fall genießen. Sind die Rahmenbedingungen gut, Wetter, Flugzeugkapazitäten und
Lernerfolg des Schülers, kann das AFF-Programm innerhalb weniger Tage abgeschlossen
werden.
Ein AFF-Kurs ist wegen seiner intensiven individuellen Betreuung die kostenaufwendigste,
aber eben schnelle und auf jeden Fall fundierte Form der Ausbildung.
Ausbildungsinteressierte müssen mindestens 16 Jahre alt sein, Minderjährige benötigen die amtlich beglaubigte Zustimmungserklärung des gesetzlichen Vertreters. Obligatorisch sind ein Tauglichkeitszeugnis eines Sport- oder Hausarztes, ein Lichtbildausweis (Personalausweis o. Reisepass), der Nachweis über die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs und 2 Passbilder.
Voraussetzung sind mindestens 20 Freifallsprünge, das theoretische Wissen wird durch einen Multiple-Choice-Test geprüft. Die praktische Prüfung besteht aus 2 Prüfungssprüngen. Ist die Prüfung bestanden, erhält der Prüfling die Lizenz, die zwei Jahre gültig ist. Für den Lizenzerhalt muss der Sportler 12 Sprünge innerhalb eines Zeitraumes von 12 Monaten durchführen.